Kaspar / Peter Handke

Simone Thoma, Maria Neumann

Wenngleich Sprache der Kommunikation dient, reicht ihre Bedeutung weit über das bloß Gesagte hinaus. In ihr verankert sich das gesamte Weltverständnis einer Gesellschaft, und das wird beim Spracherwerb auch immer mitvermittelt. Insofern bildet Sprache nicht die Wirklichkeit ab, sondern nur die jeweilige Vorstellung, die sich eine Gesellschaft von ihr macht.
Diese Diskrepanz legt Handke seinem „Kaspar“ -Text zugrunde.
Der Findling Kaspar, dessen historisches Vorbild Kaspar Hauser fast 20 Jahre lang in völliger Isolation und Dunkelheit gefangen war, soll sozialisiert werden. Das geschieht durch Spracherziehung, mit der Sprache wird ihm die soziale Grammatik der Gesellschaft injiziert. „Du brauchst häusliche Sätze, Sätze als Einrichtungsgegenstände. Sätze, die Luxus sind. Sätze, die du dir eigentlich sparen kannst.“
Die Sprache dieser Gesellschaft hat jedoch weitgehend ihre Inhalte und Begriffe verloren, so dass die bloßen Worte und Sätze zu bloßen Stereotypen verkommen sind. Kaspar lernt sprechen, ohne das Gesagte zu begreifen, da es keinen Sinn hat.
Im zweiten Teil der Aufführung erleben wir eine Gesellschaft, die durch irgendein Ereignis zivilisatorisch zurückgeworfen wurde und die Fähigkeit des Sprechens verloren hat. Sprache wird zum kultischen Ideal, das allein noch Kaspar beherrscht. Den bürgerlichen Verhaltenskodex haben diese Menschen wieder erworben, jedoch ohne leitende Vernunft.

Regie: Roberto Ciulli
Bühne: Gralf Edzard Habben
Es spielen das Ensemble an der Ruhr und Gäste (4 Damen, 9 Herren)

Bilder

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Gesamtaufzeichnung

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Pressestimmen

„Ciullis Inszenierung hat einen beschwörenden Rhythmus zwischen Tempo und Dynamik. Kaspar (blass, zart und einfach großartig Maria Neumann) wird erbarmungslos mit Sätzen gequält. In der Sprachfalle gefangen, bricht sein Widerstand. Den zweiten Teil bestimmt die erschreckende Vision einer sprachlosen Gesellschaft. 40 Minuten lang bietet das Ensemble eine beeindruckend inszenierte Pantomime, morbide, suggestive Bilder Am Ende liegt ein Toter auf der nun leeren Bühne, und Kaspar hält seinen Monolog mit leiser, fast gebrochener Stimme: Ich komme nicht mit dem Schrecken davon. Viel Beifall.“
Astrid Schoene, Rheinische Post

„Nur selten gibt es Theaterereignisse, die auch nach jahrelanger Aufführungsdauer nichts von ihrer Brisanz verlieren. Roberto Ciullis legendäre, 1987 entstandene Inszenierung des Sprechstücks „Kaspar“ von Peter Handke zählt dazu. Angesichts einer inflationären Zunahme sinnleerer Begriffe wirkt Ciullis Horrorszenario einer in die Sprachlosigkeit taumelnder Gesellschaft aktueller denn je. Von Beckettscher Schönheit die bizarre Endzeitlandschaft von Gralf-Edzard Habben im ersten Teil der Aufführung: Unter einer stehengebliebenen Bahnhofsuhr enden ein paar Gleise in einem Steinhaufen neben einer bläulichen Baumruine. In der Bühnenmitte auf Kunstrasen eine rostige Öltonne.“
Stuttgarter Nachrichten

Weitere Presse

Technical Reader

Konditionen und Preise

Reisende Personen: 21
Richtwert für den Gesamtpreis:
Bis 200 km Anreise: 6500.- Euro
(Projekt- und entfernungsabhängig kann für die technische Mannschaft, in Einzelfällen auch für das Ensemble eine Übernachtung notwendig werden.)
Bis 500 km Anreise (zzgl. Hotelkosten für eine Nacht): 8500.- Euro
Ab 500 km Anreise (zzgl. Hotelkosten für 2 Nächte): 9850.- Euro